Du sollst zusätzlich zur üblichen Bewerbung ein Motivationsschreiben einreichen und weisst nicht, was dort noch stehen soll? Genau darin liegt die Aufgabe: Das zusätzliche Schreiben wiederholt weder Lebenslauf noch Anschreiben. Es erklärt ausführlicher, was dich zu diesem Schritt bewegt, weshalb die konkrete Aufgabe zu deiner Entwicklung passt und welchen Beitrag du leisten möchtest.
Wichtig ist zuerst die Formulierung im Stelleninserat. Manche Unternehmen verwenden «Motivationsschreiben», «Bewerbungsschreiben» und «Anschreiben» als gleichbedeutende Begriffe. Wird nur eines dieser Dokumente verlangt, ist meist ein gewöhnliches Bewerbungsschreiben gemeint. Wird das Motivationsschreiben ausdrücklich zusätzlich verlangt, setzt du den Schwerpunkt auf deine Beweggründe und beruflichen Ziele. Für den Aufbau eines normalen Anschreibens findest du eine separate Bewerbungsschreiben-Vorlage für die Schweiz.
Was gehört ins zusätzliche Motivationsschreiben?
| Dokument | Zentrale Frage | Inhalt |
|---|---|---|
| Lebenslauf | Was hast du bisher gemacht? | Berufliche Stationen, Ausbildung, Kenntnisse und weitere Qualifikationen |
| Anschreiben | Warum passt du zur Stelle? | Wichtigste Anforderungen, passende Erfahrungen und unmittelbarer Nutzen |
| Zusätzliches Motivationsschreiben | Warum willst du genau diesen Schritt machen? | Beweggründe, fachliche Interessen, Entwicklung und Bezug zur Organisation |
Es gibt keine allgemeingültige Schweizer Pflichtgliederung. Die folgende Struktur verhindert jedoch Wiederholungen und führt nachvollziehbar von deiner Ausgangslage zum gewünschten nächsten Schritt.
Vor dem Schreiben: Erstelle eine Motivationskarte
Beantworte zunächst vier Fragen in Stichworten. Verwende noch keine schönen Formulierungen:
- Ausgangspunkt: Welche Erfahrungen haben deinen Berufswunsch oder deinen nächsten Schritt geprägt?
- Aufgabe: Welche Tätigkeiten der ausgeschriebenen Stelle willst du übernehmen und weshalb?
- Organisation: Was ist an diesem Arbeitgeber, Fachgebiet oder Umfeld konkret relevant?
- Beitrag: Was kannst du einbringen und was möchtest du weiterentwickeln?
Streiche anschliessend Aussagen, die für beinahe jede Stelle gelten könnten. «Ich suche eine neue Herausforderung» ist beispielsweise noch kein Beweggrund. Präziser wäre: Du möchtest von der reinen Sachbearbeitung in die Kundenberatung wechseln oder deine Projekterfahrung künftig in einem technischen Umfeld einsetzen.
Absatz 1: Ausgangspunkt und Ziel nennen
Beginne nicht mit einer allgemeinen Begeisterungsformel. Erkläre stattdessen, wo du beruflich stehst und welche Entwicklung du bewusst anstrebst. Zwei bis drei Sätze reichen.
In meiner bisherigen Tätigkeit im Bereich [Bereich] habe ich besonders gerne [konkrete Aufgabe] übernommen. Dabei wurde mir klar, dass ich meinen nächsten beruflichen Schritt auf [gewünschter Schwerpunkt] ausrichten möchte. Die ausgeschriebene Position bietet dafür eine passende Verbindung von [Aufgabe] und [Aufgabe].
Wenn du dich aus einer ungekündigten Stelle bewirbst, musst du keine Unzufriedenheit schildern. Richte den Blick nach vorn:
Nach mehreren Jahren mit Schwerpunkt [bisheriger Schwerpunkt] möchte ich meine Erfahrung künftig stärker in [neuer Schwerpunkt] einsetzen und zusätzliche Verantwortung für [Aufgabe] übernehmen.
Vermeide negative Aussagen über Vorgesetzte, Arbeitsbedingungen oder den aktuellen Arbeitgeber. Sie erklären zwar, wovon du wegwillst, aber nicht, weshalb die neue Stelle fachlich zu dir passt.
Absatz 2: Motivation für die Aufgabe erklären
Dieser Absatz beantwortet nicht nur, welche Aufgabe dich interessiert, sondern auch warum. Wähle höchstens zwei Schwerpunkte aus dem Inserat. Verknüpfe sie mit einer Erfahrung, einem fachlichen Interesse oder einem bewussten Entwicklungsziel.
Die Verantwortung für [Aufgabe aus dem Inserat] spricht mich besonders an, weil ich in meiner heutigen Funktion bereits [verwandte Erfahrung] übernehme. Künftig möchte ich diesen Bereich vertiefen und zusätzlich [neuer Aspekt der Stelle] verantworten.
Mich motiviert die Möglichkeit, [Tätigkeit] mit [zweite Tätigkeit] zu verbinden. Aus meiner bisherigen Arbeit weiss ich, dass mir insbesondere [konkreter Aspekt] liegt und ich mich dort langfristig weiterentwickeln möchte.
Bleibe konkret. Statt «Ich arbeite gerne mit Menschen» beschreibst du, welche Form des Kontakts dir entspricht: Beratung, Betreuung, Verhandlung, Zusammenarbeit mit internen Fachstellen oder Koordination externer Partner.
Absatz 3: Bezug zur Organisation herstellen
Nun erklärst du, weshalb du diese Aufgabe gerade in diesem Umfeld übernehmen möchtest. Nutze nur Informationen, die aus dem Inserat oder der eigenen Darstellung des Unternehmens hervorgehen. Geeignete Anknüpfungspunkte sind das Tätigkeitsgebiet, die angebotenen Leistungen, die Kundengruppe, fachliche Schwerpunkte oder die beschriebene Arbeitsweise.
Ihr Schwerpunkt auf [konkreter Bereich] ist für mich besonders interessant, weil ich meine Kenntnisse in [Erfahrung] in einem Umfeld einsetzen möchte, das [nachvollziehbarer Bezug]. Die im Inserat beschriebene Zusammenarbeit mit [Team oder Schnittstelle] entspricht zudem meiner bevorzugten Arbeitsweise.
Behauptungen über eine «einzigartige Kultur» oder ein «dynamisches Team» wirken beliebig, wenn du das Unternehmen noch nicht kennst. Ein sachlicher, belegbarer Bezug ist überzeugender als übertriebenes Lob.
Absatz 4: Erfahrung in einen künftigen Beitrag übersetzen
Das zusätzliche Motivationsschreiben soll den Lebenslauf nicht nochmals erzählen. Verwende stattdessen die Abfolge Erfahrung – Erkenntnis – künftiger Beitrag.
| Schritt | Beispielfrage |
|---|---|
| Erfahrung | Welche passende Aufgabe hast du bereits übernommen? |
| Erkenntnis | Was hast du dabei gelernt oder als Stärke erkannt? |
| Beitrag | Wie hilft das in der gewünschten Position? |
Durch die Koordination von [Aufgabe] habe ich gelernt, unterschiedliche Anliegen zu ordnen und Entscheidungen verständlich zu kommunizieren. Diese Erfahrung möchte ich nutzen, um in der ausgeschriebenen Funktion [künftiger Beitrag] zu unterstützen.
Fehlt dir eine gewünschte Erfahrung, darfst du das knapp und ehrlich einordnen. Zeige danach eine übertragbare Kompetenz und einen realistischen Lernschritt.
Mit [Fachgebiet oder Programm] habe ich bisher noch nicht direkt gearbeitet. Aus meiner Tätigkeit mit [vergleichbare Erfahrung] bringe ich jedoch ein solides Verständnis für [übertragbare Fähigkeit] mit und möchte mich gezielt in den neuen Bereich einarbeiten.
Absatz 5: Motivation zusammenführen
Der Schluss soll keine neue Begründung eröffnen. Fasse deinen gewünschten Schritt in einem Satz zusammen und stelle den Bezug zu einem Gespräch her.
Die Position bietet mir die Möglichkeit, meine Erfahrung in [Bereich] einzubringen und mich gezielt in [Entwicklungsziel] weiterzuentwickeln. Gerne erläutere ich Ihnen in einem persönlichen Gespräch, was mich an dieser Aufgabe besonders motiviert.
Danach folgen «Freundliche Grüsse» und dein Name. Wenn das Motivationsschreiben als separates Dokument eingereicht wird, orientierst du dich bei Absender, Empfänger, Datum und Betreff am übrigen Bewerbungsdossier.
Schweizer Besonderheiten kurz eingeordnet
- Anrede: Verwende die im Inserat genannte Kontaktperson und prüfe den Namen genau. Ohne bekannte Person ist «Sehr geehrte Damen und Herren» eine sachliche Möglichkeit.
- Foto: Ein Foto gehört, falls du eines verwendest, in den Lebenslauf und nicht in das Motivationsschreiben.
- Zeugnisse und Diplome: Reiche relevante Dokumente gemäss Inserat ein. Das Motivationsschreiben muss die Beilagen nicht einzeln aufzählen.
- Referenzen: Nenne Referenzpersonen nicht ungefragt im Motivationstext. Hole vor der Weitergabe ihrer Kontaktdaten das Einverständnis ein.
- Lohn: Eine Lohnvorstellung gehört nur hinein, wenn sie ausdrücklich verlangt wird. Achte dann auf eine eindeutige Bezugsgrösse, beispielsweise Arbeitspensum und Bruttojahreslohn.
Welche Dokumente du zusätzlich benötigst, zeigt die Übersicht Bewerbung Schweiz: Muster und Unterlagen.
Typische Fehler vermeiden
- Den Lebenslauf nacherzählen: Erkläre, was deine Erfahrungen für den nächsten Schritt bedeuten.
- Das Anschreiben kopieren: Vertiefe Beweggründe, statt dieselben Qualifikationen nochmals aufzulisten.
- Nur persönliche Vorteile nennen: Verbinde deine Entwicklung mit einem Beitrag für die Stelle.
- Austauschbare Motivation verwenden: Ersetze «spannend» und «interessant» durch konkrete Aufgaben oder Fachgebiete.
- Zu viel Privates erklären: Persönliche Hintergründe gehören nur hinein, wenn sie für deine berufliche Motivation relevant sind und du sie bewusst nennen willst.
- Erfahrungen erfinden: Jede Aussage muss im Gespräch erklärbar sein. KI kann strukturieren und kürzen, darf aber keine Kenntnisse ergänzen. Hinweise dazu findest du unter Bewerbungsunterlagen mit KI optimieren.
Prüfliste vor dem Absenden
- Ist geklärt, ob wirklich ein zusätzliches Motivationsschreiben verlangt wird?
- Wird dein gewünschter beruflicher Schritt verständlich?
- Nennst du konkrete Aufgaben statt allgemeiner Begeisterung?
- Beziehst du dich auf belegbare Informationen zum Arbeitgeber?
- Ergänzt der Text Anschreiben und Lebenslauf, ohne sie zu kopieren?
- Zeigst du sowohl deinen Entwicklungswunsch als auch deinen möglichen Beitrag?
- Sind Namen, Stellenbezeichnung, Anrede und Dateiname korrekt?
- Kannst du jede Aussage in einem Gespräch mit einem Beispiel erklären?
Wenn du noch immer vor dem leeren Dokument sitzt, schreibe zunächst je einen Rohsatz zu Ausgangspunkt, Aufgabe, Organisation, Beitrag und Ziel. Ergänze danach pro Absatz einen konkreten Beleg. So entsteht ein persönliches Motivationsschreiben, ohne dass du auf einen perfekten ersten Satz warten musst.
Bewerbung in einem Abend fertig?
Das KI-Bewerbungspaket prüft deinen Lebenslauf, schreibt ein passendes Anschreiben und bereitet dich auf die Interviewfragen vor: CHF 59 CHF 29 einmalig, kein Abo. Für dein Arbeitszeugnis gibt es den Arbeitszeugnis-Check für CHF 19.
Unsicher, ob das Zeugnis bremst?
Der Arbeitszeugnis-Check zeigt kritische Formulierungen, starke Signale und den nächsten sinnvollen Bewerbungsschritt.
Arbeitszeugnis prüfen — CHF 19💬 Hat dir dieser Artikel geholfen?
Sag uns, was dir gefehlt hat oder was du gerne tiefer erklärt hättest.
✉️ Feedback senden

