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Arbeitszeugnis-Decoder: Formulierungen entschlüsseln (Schweiz)

Arbeitszeugnisse klingen fast immer freundlich. Trotzdem steckt in vielen Sätzen eine Bewertung, die man erst auf den zweiten Blick erkennt: «stets zu unserer vollsten Zufriedenheit» ist die Bestnote, «zu unserer Zufriedenheit» liegt knapp über ungenügend. Mit dem Decoder siehst du in wenigen Sekunden, welche gängigen Formulierungen in deinem Zeugnis stehen und wie sie üblicherweise gelesen werden.

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Ganzes Zeugnis einordnen lassen? Der Decoder erkennt nur gängige Einzelformulierungen. Wie dein Zeugnis als Ganzes wirkt, wo Lob fehlt und was du ansprechen kannst, zeigt der Arbeitszeugnis-Check: digitale Einordnung per E-Mail, CHF 19 einmalig, kein Abo.
Zum Arbeitszeugnis-Check

Die Einordnungen sind verbreitete Lesarten der Zeugnissprache, kein Beweis für die Absicht des Arbeitgebers und keine Rechtsberatung. In der Schweiz muss ein Arbeitszeugnis wahr und wohlwollend sein (Art. 330a OR); bei Unklarheiten lohnt sich ein Gespräch mit dem Arbeitgeber.

So liest du ein Arbeitszeugnis

  • Leistung: Die Zufriedenheitsformel ist der wichtigste Satz. Achte auf «stets» und auf «vollsten» bzw. «vollen».
  • Verhalten: Werden Vorgesetzte zuerst genannt, ist das die übliche Reihenfolge. Fehlen sie ganz oder stehen sie hinten, lohnt sich ein zweiter Blick.
  • Schluss: Bedauern, Dank und gute Wünsche für die Zukunft gehören in ein gutes Zeugnis. Fehlt einer dieser Teile, wirkt das Zeugnis kühler.
  • Was fehlt: Ein Zeugnis kann auch durch Weglassen schwach sein, zum Beispiel ohne Lob für Fachwissen oder ohne Schlusssatz.

Die wichtigsten Formulierungen im Überblick

FormulierungBereichEinordnungVerbreitete Lesart
«stets zu unserer vollsten Zufriedenheit»Leistungsehr gutSehr gute Leistung. Die stärkste übliche Formulierung.
«stets zu unserer vollen Zufriedenheit»LeistunggutGute Leistung.
«zu unserer vollsten Zufriedenheit»LeistunggutGute Leistung (ohne «stets» eine Stufe schwächer als die Bestnote).
«stets zu unserer Zufriedenheit»LeistungbefriedigendBefriedigende Leistung.
«zu unserer vollen Zufriedenheit»LeistungbefriedigendBefriedigende Leistung, solides Mittelfeld.
«im Grossen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit»LeistungmangelhaftMangelhafte Leistung.
«zu unserer Zufriedenheit»LeistunggenügendGenügende Leistung, eher unterdurchschnittlich.
«hat unsere Erwartungen stets übertroffen»Leistungsehr gutSehr gute Leistung.
«hat unsere Erwartungen stets voll erfüllt»LeistunggutGute Leistung.
«hat unsere Erwartungen erfüllt»LeistunggenügendGenügende Leistung: das Nötige, nicht mehr.
«war stets bemüht / bemühte sich»LeistungungenügendUngenügend: Einsatz ja, Ergebnis nein. Eine der bekanntesten Warnformulierungen.
«im Rahmen seiner Fähigkeiten»LeistungmangelhaftDeutet auf begrenzte Fähigkeiten hin.
«erledigte die Aufgaben ordnungsgemäss»LeistunggenügendPflicht erfüllt, ohne Lob. Für sich allein eher schwach.
«mit grossem Eifer / Fleiss»LeistunggenügendLob für den Einsatz statt für das Ergebnis. Steht kein Erfolg daneben, wirkt es schwach.
«zeigte Verständnis für seine Arbeit»LeistungmangelhaftVerbreitete Lesart: wenig Einsatz.
«verfügt über ein gesundes Selbstvertrauen»PersönlichkeitHinweisSteht es ohne Fachlob da, kann es auf Überheblichkeit hindeuten.
«Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich»Verhaltensehr gutSehr gutes Verhalten, richtige Reihenfolge (Vorgesetzte zuerst).
«Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten …»VerhaltenHinweisVorgesetzte stehen nicht an erster Stelle. Das wird oft als Hinweis auf Spannungen mit Vorgesetzten gelesen.
«Verhalten … war stets vorbildlich»Verhaltensehr gutSehr gutes Verhalten.
«Verhalten … war stets einwandfrei»VerhaltengutGutes Verhalten.
«Verhalten … war im Wesentlichen einwandfrei»VerhaltenmangelhaftMangelhaft: es gab Probleme.
«Verhalten … war einwandfrei»VerhaltenbefriedigendBefriedigendes Verhalten.
«gab zu keiner Klage Anlass»VerhaltengenügendGenügend: kein Lob, nur das Fehlen von Problemen.
«war ein umgänglicher Kollege»VerhaltengenügendKlingt freundlich, wird aber oft als «wenig beliebt» gelesen.
«galt als toleranter Mitarbeiter»VerhaltenHinweisVerbreitete Lesart: schwierig im Umgang, vor allem mit Vorgesetzten.
«trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei»VerhaltenHinweisKlassische Warnformulierung, wird oft als Hinweis auf Alkohol oder zu viel Plaudern gelesen.
«wusste sich gut zu verkaufen»VerhaltenHinweisVerbreitete Lesart: Wichtigtuer, wenig Substanz.
«setzte sich für die Interessen der Kollegen ein»VerhaltenHinweisKann auf Engagement in der Personalvertretung hinweisen. Neutral bis heikel, je nach Leser.
«war stets pünktlich»HinweisHinweisSelbstverständlichkeit. Wird sie hervorgehoben, kann das bedeuten, dass es sonst wenig zu loben gab.
«verlässt uns auf eigenen Wunsch»AustrittHinweisGutes Zeichen: Du hast selbst gekündigt.
«im gegenseitigen Einvernehmen»AustrittHinweisNeutral formuliert. Oft ging die Trennung aber vom Arbeitgeber aus.
«Wir bedauern seinen Weggang sehr»Schlusssehr gutSehr gutes Signal im Schluss (Bedauern + «sehr»).
«Wir bedauern seinen Weggang»SchlussgutGutes Signal im Schluss.
«danken ihm für die stets sehr gute Zusammenarbeit»SchlussgutDank für die Zusammenarbeit: positiv. Fehlt der Dank ganz, ist das ein Warnsignal.
«wünschen ihm alles Gute, vor allem Gesundheit»SchlussHinweisWird oft als Hinweis auf häufige Krankheit gelesen.
«wünschen ihm für die Zukunft alles Gute»SchlussgenügendOhne «weiterhin viel Erfolg» und ohne Dank eher knapp und kühl.
«weiterhin viel Erfolg»Schlussgut«Weiterhin» sagt: Du warst schon bisher erfolgreich. Positiv.

Was du tun kannst, wenn dein Zeugnis schwach wirkt

In der Schweiz muss ein Arbeitszeugnis wahr und wohlwollend sein (Art. 330a OR). Wenn dir eine Formulierung unpassend erscheint, sprich zuerst mit deinem Arbeitgeber und schlage eine konkrete neue Formulierung vor. Ein sachliches Gespräch führt oft schneller zum Ziel als ein Streit. Bei rechtlichen Fragen hilft eine Beratungsstelle oder eine Fachperson für Arbeitsrecht weiter.

Für deine nächste Bewerbung: Passend dazu gibt es die Lebenslauf-Vorlage für die Schweiz und den kostenlosen Bewerbungscheck.

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